Wittenberge Geschichte

Wittenberge liegt an der Elbe und an der Stepenitz, die hier in die Elbe mündet. Mit seinen ca. 17.206 Einwohnern ist Wittenberge heute die größte Stadt der Prignitz. Im 19. und 20. Jh. war Sie auch bedeutendster Industriestandort der Region. Die Stadt ist eine Gründung der Edlen Gans, deren Burg hier den Elbübergang der Straße von Stendal, Seehausen, Osterburg her nach Perleberg deckte. Urkundlich wurde Wittenberge erst 1239 erstmals erwähnt. Die Stadt wurde auf einem ellipsenförmigen Grundriss mit zwei gebogenen senkrecht zur Elbe verlaufenen Straßen und rechtwinklig dazu angelegten Quergassen angelegt. Und besitzt einen in der Mitte liegenden rechteckigen Markt- und Kirchhof, der sich am Nordende an die Burg anlehnte. Die Altstadt wird im wesentlichen von traufeständigen zweigeschossigen Wohnhäusern geprägt, die zum Teil noch aus der Zeit nach dem großen Stadtbrand von 1751 herrühren. Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung ist allein der gotische Stadttorturm am Nordende der Altstadt, der sogenannten „Steintorturm“, erhalten geblieben.

Die Kirche ist ein historischer Neubau in Backsteingotik von 1870/72, der die alte Kirche von 1751 ersetzte. Mit der direkten Anbindung Wittenberges an die Bahnlinie Berlin-Hamburg (1845/46), der Fertigstellung der Anschluss-Strecken nach Magdeburg (1847/51), Lüneburg (1874) und Salzwedel (1879) nahm Wittenberge einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung und entwickelte sich zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt. Dadurch und wegen der Lage an der schiffbaren Elbe wurde Wittenberge auch als Industrieort interessant: 1823 wurden die Herzschen Ölwerke gegründet, 1846 eine Seifenfabrik, 1869 eine chemische Fabrik, 1935 die Norddeutsche Maschinenfabrik und 1937 eine große Zellstoff- und Zellwollfabrik. Die rasant steigenden Einwohnerzahlen zogen eine enorme städtebauliche Entwicklung mit mehreren bedeutenden Stadterweiterungen in nördliche und südliche Richtung, besonders aber zwischen der Altstadt und dem ca. 1 km nordöstlich davon errichteten Bahnhof nach sich. Die großen hauptsächlich Wohnquartiere sowie die sehr qualitätsvollen und repräsentativen  öffentlichen Bauten gehören zu den herausragenden architektonischen und städtebaulichen Leistungen der jüngeren Geschichte der Prignitz (Heisterbusch, Tivoli, Gropius-Siedlung, Rathausplatz).

Der Turm des 1912/14 errichteten neuen Rathauses und der 1928 fertiggestellte 50 m hohe Wasserturm, des in den 1920er Jahren vom Hamburger Industriearchitekten Franz Ascher völlig neu errichteten Singer-Werkkomplexes, prägen bis heute die Silhouette der Stadt an der Elbe. In den 30er Jahren wurde Wittenberge weiter zur Industriestadt ausgebaut, hierzu trug vor allem der Bau der Zellstoff-Fabrik bei. Der zweite Weltkrieg hatte zum Glück nur wenige Zerstörungen mit sich gebracht. Neben der Sprengung der wichtigen Eisenbahnbrücke über die Elbe durch die Deutschen selbst wurden nur sehr dünn besiedelte Außenbereiche der Stadt zerstört. Zur Zeit der DDR hatte Wittenberge aufgrund des Nähmaschinenwerks, der Zellstoff-Fabrik und der wieder aufgebauten Elbbrücke eine nicht unbedeutende Stellung. Die Folge war ein zweiter großer Bevölkerungsschub und der Bau verschiedener Plattenbausiedlungen vor allem Ende der 70er. Ende der 80er erreichte Wittenberge seine größte Bevölkerungszahl, ca. 34000.Die Wende und der teilweise Niedergang der Ostdeutschen Wirtschaft machte auch bei Wittenberge nicht Halt. So war die Schließung der 3 großen Industrieanlagen Grund für die hohe Arbeitslosigkeit und die Abwanderung großer Teile der Bevölkerung.