Gewässerpatenschaften

Mit dem Projekt sollen die Schülerinnen und Schüler Ursachen von Umweltproblemen in ihrer häuslichen Umgebung auf den Grund gehen und darauf aufbauend den Problemen mit Kreativität und Engagement entgegenwirken. Wissenschaftliche Vorgehensweisen, schlüssige nachhaltige Denkansätze, Heimatbezogenheit und lösungsorientiertes Handeln sind wichtige Merkmale des Herangehens der Schüler.

 

Im September 2016 wurde eine Vereinbarung zur 16. Gewässerpatenschaft zwischen dem Marie-Curie-Gymnasium Wittenberge und dem Umweltsachbereich der Stadt Wittenberge unterschrieben. Die diesjährigen Schülerinnen und Schüler des Wahlpflichtkurses Naturwissenschaften der 9. Klassen stimmten der Vereinbarung zu, in der diese sich verpflichten, die stehenden Gewässer (Seen, Tümpel, Teiche, langsam fließende Gräben) der Gemarkung Wittenberge auf drei unterschiedliche Methoden auf den Gewässerzustand hin zu untersuchen.

Dazu werden alle nötigen Vorgehensweisen, Untersuchungsmethoden und Kenntnisse zunächst am Beispiel des Schwanenteiches von Wittenberge erarbeitet, untersucht und geübt. Somit lernen die Schüler die theoretischen Zusammenhänge, Gesetzmäßigkeiten und Vorgehensweisen in einem  Jahr kennen. Sie befassen sich mit Aspektfolgen, Sukzession, Eutrophierung, Nahrungsnetze und deren Energieverhältnisse, Biomassenproduktion, Populationsdynamik genau so wie, mit Mineralsalznachweisen, Sauerstoffbestimmungsmethoden und Artenkenntnisse der Indikatororganismen

Das Projekt ist eine Fächerverbindung zwischen den Naturwissenschaften Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, als auch Geografie, Geschichte, Informatik. Im letzten  Jahr der 9. Klasse untersuchen die 28 Schüler nach einem genau festgelegten Zeitplan selbständig ein Gewässer ihrer Wahl in ihrer unmittelbaren Umgebung (Regionalbezug). Es können die Schüler von auswärts auch zu Zweit ein stehendes Gewässer in ihrem Heimatort untersuchen, um die Heimatverbundenheit und somit das Verständnis ihrer Tätigkeit vor ihrer Haustür zu erleben. Sie wenden dabei ihre erworbenen Erkenntnisse aus den “Theoriestunden” und am Beispiel des Standardgewässers Schwanenteich auf ihr Untersuchungsgewässer an. Dabei stellen die “Gewässerpaten” in einer Belegarbeit digital eine Lageskizze und eine Kartierung der Pflanzengesellschaften des Gewässers her und listen die Ergebnisse der 1. biologischen Untersuchung mit Hilfe der Indikatorinsektenlarven, 2. der chemischen Analysen von 10 verschiedenen Ionen und des pH-Wertes qualitativ und quantitativ und 3. der Sauerstoffbestimmung durch die Methode des BSB5-Wertes und des Sauerstoffminimums auf.

Im Endergebnis erhalten die Schüler einen jeweils arithmetischen und aktuellen Gewässergütezustand ihres “eigenen Gewässers” nach den Eutrophierungskriterien. Daraus müssen die Schüler theoretisch mögliche Maßnahmen zur Sanierung ableiten und diese wissenschaftlich begründen und auf Wirtschaftlichkeit beurteilen. Diese werden dem Umweltsachbereich der Stadt Wittenberge bei einer “Verteidigung” vorgestellt und übergeben. Um den Heimatbezug zu optimieren, verschicken wir die Belegarbeiten der Gewässer, die auf den Gemarkungen der umliegenden Ämter Bad Wilsnack/Weisen, Lenzen/Elbtalaue oder Plattenburg und länderübergreifend auch die Verbandsgemeinde Seehausen liegen an die jeweiligen Amtsverwaltungen mit der Bitte um Kenntnisnahme und Sanierung.

Das Feedback der Verwaltungen ist durchweg positiv und zeigt sich in verbalen bis hin zu materiellen Anerkennungen durch die jeweiligen Behörden. Die Sanierungsmaßnahmen wurden durch die Ansammlung über die Jahre bereits in verschiedenen Gemeinden und Städten von Mitarbeitern oder Teilnehmern von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen mit Erfolg durchgeführt. Es kam dabei stets zur Verbesserung des Eutrophierungszustandes des jeweiligen Gewässers.

 

Zusammengefasst, kommt es durch wissenschaftliche Herangehensweise und Heimatbezug durch die Schüler in einem fächerübergreifenden Projekt zu innovativen und nachhaltigen und langfristigen Lösungen durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis. Dabei werden durch Eigeninitiative und Originalität der Schüler eine öffentliche Kommunikation mit den Behörden in der regionalen Presse und Fernsehen geführt, die Vorbildcharakter hat. Die Wirtschaftlichkeit der Sanierungsmaßnahmen bei der Verminderung des Treibhauseffektes durch Reduktion des Faulschlamms in den Gewässern wird hierbei mit Leben erfüllt.

Die Schülerinnen und Schüler der vorhergehenden Jahre bestätigen durch Aussagen: “Ich achte jetzt mehr auf “mein Gewässer” oder durch die Berufswahl hin zu biologisch/chemischen oder ökologischen Berufen, dass die Auseinandersetzung mit diesem Umweltthema sie erreicht und berührt hat. Die Verwaltungsbehörden, die personell nicht ausgerüstet sind, erhalten Umweltdaten zur Beantragung von Sanierungsbedarf und die regionale Bevölkerung geniest sanierte oder intakte stehende Gewässer in ihrer Umgebung.

Mit dem Eintreten in die Sekundarstufe II auf dem Weg zum Abitur entscheiden sich die Schüler, aufgrund ihrer Erkenntnisse oder Erlebnisse im Wahlpflichtunterricht Naturwissenschaften Klasse 9 oft vorrangig für Naturwissenschaften und erhalten im Rahmen der Ausbildung in der Klassenstufe 11 die Möglichkeit, dann ihr Wissen auf Fließgewässer wie die Elbe, Stepenitz, Karthane oder Löcknitz in Zusammenarbeit mit der Dr. Michael Otto Stiftung Hamburg e.V. anzuwenden. Dies ist Umwelterziehung und Nachhaltigkeit, gepaart mit Innovation, Selbständigkeit, Kreativität und wissenschaftliches Herangehensweise um die Wissenschaftler von morgen den Blick in der Umwelt vor ihrer Haustür erklärbar zu machen.

Die Sammlung der Belegarbeiten und einer jährlichen Überblickkarte liegen in den jeweiligen Amtsverwaltungen oder im Umweltsachbereich der Stadt Wittenberge zur Einsichtnahme aus. Die diesjährigen Belegarbeiten werden aufgrund einer laufenden Sanierungsmaßnahme von Seiten der Stadt Wittenberge sehnsüchtig erwartet.

Diese Seite wurde erstellt von Leon Gröning im Rahmen des Projektes “RELAUNCH” im Zuge der Projektwoche 2017.