MINT-Woche am Marie-Curie Gymnasium

Einblicke in Wittenberger Firma: “Chemie macht richtig Spaß” mehr…

Zum Ende des Schuljahres 2013/14 war es wieder so weit. 04.07.2014 ihre analytischen Kenntnisse in einem Laborpraktikum zu erweitern. Traditionell waren auch Schülerinnen und Schüler unseres Partnergymnasiums, der Bismarckschule Elmshorn, zu Gast. Neben der gemeinsamen Laborarbeit freuten sich die Jugendlichen aber auch über ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm und die gemeinsame Zeit im Jugendzentrum der Stadt Wittenberge.Voller Erwartung empfingen die Wittenberger ihre Gäste am Bahnhof und begaben sich mit ihnen zur Unterkunft. Schnell lernten sich die jungen Leute kennen. Die acht Mädchen, sechs Jungen und die betreuenden Fachlehrerinnen Frau Welsch (Elmshorn), Frau Kreissl und Frau Henning (MCG) wurden rasch zu einem Team. Im folgenden Bericht schildern die Teilnehmer ihre Eindrücke: Nach einer umfangreiche Einführung zum Vorkommen, der Gewinnung und der Verwendung von etherischen und fetten Ölen sowie zu verschiedenen Analysemethoden wurden am Montag zunächst die Laborräume im Prignitzer Institut für Thermoanalytik (PIT) besichtigt, in denen uns verschiedene praktische Methoden zur Verfügung standen. Zum einen gehört dazu die Thermische Analyse, welche eine Messung von Stoffeigenschaften in Abhängigkeit von der Temperatur darstellt. Auch die Thermogravimetrie, die eine Gewichtsänderung in Abhängigkeit von der Temperatur ermittelt spielte an den folgenden Tagen eine Rolle. Darüber hinaus lernten wir den Arbeitsplatz der dynamischen Differenzkalorimetrie kennen, welche einer Untersuchung des thermischen Verhaltens einer Probe im Vergleich zu einer Referenzprobe entspricht. Am Nachmittag trafen sich die Teilnehmer im Rathaus und wurden durch den Bürgermeister der Stadt, Herrn Dr. Oliver Hermann, und den Schulleiter des MCG, Herrn Andreas Giske, begrüßt. Der Blick vom Rathausturm ermöglichte vor allem den Gästen einen ersten Eindruck von Wittenberge.

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Am zweiten Tag begannen wir in unseren Arbeitsgruppen mit verschiedenen Experimenten zu den Themen Thermogravimetrie, Gewinnung von fetten sowie etherischen Ölen und deren Analyse durch die Gaschromatografie. Zunächst bekamen wir eine Einführung in die jeweiligen Stationen, die von Frau May, Frau Maetze und Herrn Dr. Otto vorgestellt wurden. Sie begleiteten uns geduldig während der gesamten Arbeitszeit im Institut, wobei sie uns detaillierte Informationen zur Funktionsweise der Apparaturen, den einzelnen Arbeitsschritten und der Auswertung der Ergebnisse gaben.

Am Nachmittag erwartete uns eine aufregende Kanufahrt. Den Ausflug begannen wir bei angenehmen Temperaturen in Klein Linde, wo wir unsere Boote zu Wasser ließen. Die 3er- bzw. 4er- Boote starteten mit einer mehr oder weniger gekonnten Fahrweise. Zwei der fünf Boote scheiterten leider an jeweils einer anderen komplizierten Stelle und kenterten. Darunter war auch das Boot der Lehrkräfte, was uns zum Schmunzeln brachte. Sie nutzten diese Gelegenheit für eine Erfrischung in der idyllischen Stepenitz

Wir erreichten -größtenteils nass- das Ziel in Perleberg, nachdem wir uns zwischendurch eine kleine Erholung mit frischem Kuchen in Lübow gönnten. Ziemlich erschöpft erreichten wir das Jugendzentrum. Das ausgiebige Abendbrot, das aus frischen Pellkartoffeln mit Kräuterquark und anderen Leckereien bestand, konnte mit einem Büffet erster Klasse mithalten und sättigte die hungrigen Mäuler.

Auch an den folgenden Tagen absolvierten wir an wechselnden Stationen die chemischen Praktika. Trotz der angestrengten Arbeit hatten wir unter der fachmännischen Anleitung von Herrn Doktor Otto, Frau May und Frau Maetze eine Menge Spaß. Durch Teamwork konnten wir die anspruchsvollen Aufgabenstellungen selbstständig erfüllen und eine Menge dazulernen.
Nach getaner Arbeit starteten wir wieder unser Freizeitprogramm. Ein besonderes Erlebnis war die Radtour ins Storchendorf nach Rühstädt. Mit dem Besuch des Bowling Centers ließen wir den Abend sportlich ausklingen.
Auch der Besuch des Kletterturmes auf dem Ölmühlgelände war am Donnerstag ein Erlebnis für alle mutigen Kletterer.

Am letzten Tag der MINT-Projektwoche haben wir gruppenweise das Gelände und die Produktionsstätte der Dr. Otto GmbH erkundet. Anfang der neunziger Jahre gründete Dr. Claus Otto das Umweltlabor als Privatunternehmen. Schon zu dieser Zeit wurde viel mit Naturprodukten geforscht. Mit der Zeit entwickelte und vergrößerte sich das Unternehmen, sodass 2004 eine Trennung zwischen Umweltlabor und Forschungseinrichtung erfolgte. Ein Jahr später übernahm Dr. Claus Ottos Sohn, Dr. Michael Otto, den Betrieb.

Heute bekamen wir eine aufregende und informative Führung durch das kleine Unternehmen vom Geschäftsführer Dr. Michael Otto. Zunächst gingen wir in das Chemikalienaußenlager, wo unterschiedlichste Rohstoffe, wie zum Beispiel Wasserstoffperoxid und Ethanol gelagert werden. Im Produktionsraum konnten wir das Verfahren der Wasserdampfdestillation zur Herstellung von etherischen Ölen, wie Kümmel-, Thymian- und Fenchelöl mit eigenen Augen betrachten. Hier lagern auch die benötigten Rohstoffe, die einen sehr intensiven Duft verströmen.

Nun ging es auf in den Destillationsraum, in dem unter anderem das Pflanzenstärkungsmittel Elot-Vis Green produziert wird. Dieses benötigt man zur Vorbeugung des Mehltaubefalls. Die Anlage glich einem brodelnden Hexenkessel. Außerdem wird in dem Raum Rotöl hergestellt und es befindet sich dort eine Anlage zur Herstellung von fetten Ölen durch Kaltpressung. Exoten wie Zitronenkernöl oder Kürbiskernöl können dort in einem aufwendigem Verfahren gewonnen werden.

Zur Freude der Mädchen bekamen wir dann einen eindrucksvollen Einblick in das Kosmetiklabor, das nur unter strengsten Hygienevorschriften betreten werden darf. Mit allen Sinnen testeten wir Tages- und Nachtcremes, Massageöle, Hautöle, Peelings und Gesichtsmasken, die unsere Geruchszellen erfreuten. Außergewöhnliche Inhaltsstoffe, wie Kölln-Haferflocken (aus Elmshorn!) , Aprikosenöl und Jojobaöl, werden dort zu Bio-Kosmetika verarbeitet. Der Höhepunkt unserer Besichtigung: Wir inspizierten verschiedenste Spirituosen, den scharfen Fährmann Hildebrand, eine Haselnuss-Komposition und einen Holunderblütenlikör in der Entwicklung.

Die offene Produktionsart überraschte uns in einer positiven Art und Weise, da wir so alle Produktionsschritte nachvollziehen und miterleben konnten. Durch die entspannte und freundliche Atmosphäre fühlten wir uns gut eingebunden und stellten interessiert viele Fragen. Rückblickend betrachtet, halfen uns die neu erworbenen Erkenntnisse durch die Laborarbeit der vorausgehenden Tage die Vorgänge besser zu durchdringen. Besonders erstaunlich ist zum einen die Breite der Produktionspalette, aber auch die überwältigende Menge an natürlichen Rohstoffen im Vergleich zur geringen Ausbeute der Endprodukte. Das abschließende Gesamturteil der Teilnehmer:

Die Arbeit im Labor war beeindruckend und sehr informativ. Sie hat uns darin bestärkt, ein naturwissenschaftliches Studium ins Auge zu fassen. Einige Schüler werden das analytische Praktikum im neuen Schuljahr fortsetzen und die gewonnenen Erkenntnisse bei der Bearbeitung eines Projektes anwenden. Der Wechsel von angestrengter wissenschaftlicher Arbeit und ausgelassener sportlicher Betätigung sowie das angenehme Arbeitsklima und die gemeinsame Unterbringung im Jugendzentrum hat allen Teilnehmern gut gefallen und ermöglichte das gegenseitige Kennenlernen. So hat das MINT-Camp laut einheitlichem Urteil insgesamt Spaß gemacht und sollte unbedingt wiederholt werden.

Ein besonderer Dank gilt dem Förderverein des MCG (Herrn Wolf), der Stadt Wittenberge und dem Prignitzer Institut für Thermoanalytik sowie den betreuenden Lehrerinnen beider Schulen und den Schulleitungen der Bismarckschule Elmshorn bzw. des Marie-Curie-Gymnasiums Wittenberge, die diese Woche ermöglicht haben.